Alles in Jesus
Eritrea

Alles in Jesus

Mit vierzehn Jahren las Sesuna das erste Mal in einer Bibel. Das Wort traf sie. Sesuna vertraute ihr Leben Jesus an und wollte ihm konsequent nachfolgen. Ihr letztes Schuljahr verbrachte Sesuna deswegen im Gefängnis. Von ihrer Familie enterbt und verlassen, lernte sie, ganz auf Jesus zu vertrauen.

Christen außerhalb der zugelassenen traditionellen Kirchen haben es in Eritrea schwer. In dem nordostafrikanischen Land an der Küste des Roten Meeres sind seit 2002 alle Gemeinden verboten, die nicht zur eritreisch-orthodoxen, der eritreisch-katholischen oder der evangelisch-lutherischen Kirche gehören. Seitdem wurden unzählige Gläubige verhaftet und zu teils drakonischen Gefängnisstrafen verurteilt. Trotz dieses Drucks wächst die Untergrundgemeinde.

Sesunas Geschichte

Sesuna stammt aus einer streng orthodoxen Familie. Nach der Trennung ihrer Eltern lebt sie bei einem Onkel, leidet aber unter dem Gefühl, nicht gewollt zu sein. Etwas Anschluss findet sie in einer evangelisch-lutherischen Kirche. Dort hilft sie bei der Kinderarbeit. Sesuna lernt in der Gemeinde auch die Bibel kennen. Als sie das erste Mal in der Bibel liest, wird ihr klar, wie wenig ihre orthodoxen Glaubensvorstellungen mit den Aussagen der Bibel zu tun haben. Gottes Wort fängt an, sie zu prägen. Sie verändert sich und findet zu einer Untergrundgemeinde. Heimlich beginnt sie, an den illegalen Treffen der evangelikalen Gemeinde teilzunehmen. Als sie an ihrer Schule einen Bibelkreis startet, wird sie vom Unterricht suspendiert. So erfährt Sesunas Familie von ihrem neuem Glaubensleben – und verprügelt sie. „An dem Tag ist mir bewusst geworden, was es heißt, Jesus ganz nachzufolgen“, sagt Sesuna.

Eritreische Soldatinnen

Im Militärcamp

Im letzten Schuljahr müssen Schüler in Eritrea zusätzlich zum Unterricht an einer militärischen Grundausbildung teilnehmen. Dort leben die Jugendlichen in einfachsten Verhältnissen. Außer dem militärischen Drill sind sie harten Arbeitsbedingungen und Strafen bis hin zu systematischen Misshandlungen, Folter und sexuellen Übergriffen ausgesetzt. Nach der militärischen Grundausbildung droht ein unbefristeter Militärdienst, manche sprechen von staatlicher Zwangsarbeit. Das ist eine der Hauptursachen dafür, dass jährlich tausende junger Menschen aus Eritrea zu fliehen versuchen.

Sesuna flieht nicht. Sie beginnt ihre militärische Grundausbildung im Militärcamp von Sawa. Dort werden die Neuankömmlinge gefragt, ob sich unter ihnen evangelische Christen befinden. Sesuna blickt sich ängstlich um und erkennt einige Glaubensgeschwister. Doch niemand sagt etwas. Der Aufseher leiert seine Regierungspropaganda gegen die „Pentes“, wie die nicht registrierten pfingstlichen, oder auch allgemein evangelikalen Gruppen genannt werden, herunter. Sesuna richtet sich auf. Genau diesen Mut und Kontrollverlust fürchtet die Regierung. Die Mädchen um Sesuna herum werden unruhig. Sie wissen, was es heißt, sich in diesem Camp zu Jesus zu bekennen. Sesuna weiß es auch und bekennt. Mutig sagt sie: „Ich besitze eine Bibel und bin wiedergeborene Christin.“ Sofort wird sie festgenommen. Dann diskutieren die Militärs, wie sie mit ihr verfahren sollen. Da Sesunas Eltern zur eritreisch-orthodoxen Kirche gehören, sind einige der Meinung, man könne Sesuna ihren ketzerischen Glauben ausreden. Andere geben zu bedenken, dass Sesuna andere Schüler negativ beeinflussen könnte. Das überzeugt alle. Sesuna darf nicht zu ihrer Klasse zurück, sondern wird stattdessen in das Frauengefängnis von Sawa überführt.

In Haft

Das Frauengefängnis besteht aus Wellblechbaracken, die weder vor der Hitze am Tag noch der Kälte in der Nacht schützen. Sesuna muss sich einen kleinen Raum mit fünfzehn anderen Frauen teilen. Zu essen gibt es kaum etwas. Die hygienischen Zustände sind katastrophal, medizinische Behandlungen sind ausgeschlossen. Nur einmal am Tag, um sechs Uhr morgens, dürfen die Frauen die Toilette aufsuchen. Aus Angst vor Fluchtversuchen lassen die Wächter die Frauen keine Sekunde aus den Augen. Manche von ihnen verhalten sich den Frauen gegenüber übergriffig. Sesuna trinkt und isst kaum, um möglichst nicht zur Toilette zu müssen. Sie wird krank.

Jede Woche wird Sesuna zum Verhör mit den Vorstehern des Gefängnisses geschleppt. Stundenlang versucht man, sie von ihrem Glauben abzubringen. Aber Sesuna bleibt standhaft. Als sie so krank wird, dass sie sich nicht mehr bewegen kann, kommt sie in das Krankenhaus des Camps. Dort stürzt sie und zieht sich mehrere Frakturen zu. Die Gefängnisleitung veranlasst, dass Sesuna zur Operation in ein Krankenhaus in der Hauptstadt Asmara gebracht wird.

Auf der Flucht

Sesunas Zukunft sieht düster aus. Die Familie hat sie enterbt, jetzt drohen Haft und lebenslanger Militärdienst. Sie beschließt, ins benachbarte Äthiopien zu fliehen. Dort landet sie in einem Flüchtlingslager, wird bestohlen, geschlagen und ist so niedergeschlagen, dass sie am liebsten nach Eritrea zurückzukehren würde. Doch dann besucht sie dort einen Gottesdienst. In der Gemeinschaft kann sie zum ersten Mal ganz offen ihren Glauben leben. Sesuna engagiert sich wieder in der Kinderarbeit. Das tut ihr gut. Einer der Gemeindeleiter wird auf sie aufmerksam und vermittelt sie an eine Bibelschule unseres HMK-Partners in der Nähe des Flüchtlingslagers.

Hingabe und Treue

Heute ist Sesuna im zweiten Bibelschuljahr. „Als ich hierherkam, glaubte ich, viel zu wissen. Doch als der Unterricht begann, ist mir klar geworden, dass ich eigentlich gar nichts weiß“, erklärt sie. Sie will Gott immer besser kennenlernen. „Ich weiß, er bereitet mich für meinen zukünftigen Dienst vor“, sagt sie. Menschlich gesehen hätte Sesuna Grund, traurig und bitter zu sein. Sie hat Familie und Heimat verloren. Doch statt zu klagen, sieht sie in allem Gottes Hand und seinen Weg. „Gott hat alles aus meinem Leben genommen, damit ich lerne, ihm ganz zu vertrauen“, ist sie überzeugt. Sie weiß: „Wenn wir Jesus haben, haben wir alles, denn diese Welt wird eines Tages vergehen.“ Ihr Horizont ist die Ewigkeit. Diese Perspektive gibt ihr Kraft, die Herausforderungen ihres Lebens zu überwinden.

Beten wir

für Sesuna,  dass der HERR sie ermutigt und für viele zum Segen werden lässt. Beten wir auch für Eritrea

Anteilnehmen und Lernen

„Stimme der Märtyrer“ – Das Magazin der Hilfsaktion Märtyrerkirche

Das Magazin gibt den um ihres Glaubens Willens verfolgten und bedrängten Christen eine Stimme durch ...

  • authentische Berichte von Glaubensgeschwistern,
  • ergreifende Reportagen über ungewöhnliche Erlebnisse,
  • interessante Länder-Infos und
  • aktuelle Gebetsanliegen.
Das alles und noch viel mehr finden Sie monatlich auf zwölf Seiten, die herausfordern und Mut machen.

Jetzt kostenlos abonnieren
Jetzt abonnieren