Wenn Gott heimlich seine Engel schickt
Nepal

Wenn Gott heimlich seine Engel schickt

Symbolbild / @HMK

Die radikalen Hindus hatten Pastor Bishal* schon oft bedroht. Jetzt wurden sie sehr konkret: „Wenn du nicht aufhörst von diesem Jesus zu predigen, dann brennen wir dein Haus nieder!“ Bishal spürte, dass sie es dieses Mal ernst meinten. Aber er ließ sich nicht einschüchtern. „Sollte ich sterben, dann komme ich zu Jesus in den Himmel. Ich werde nicht aufhören, von ihm zu erzählen!“, lautete seine Antwort.

Das erzürnte seine Gegner noch mehr. Mitten in der Nacht schlichen sie sich im Schutze der Dunkelheit an. Was sie jedoch sahen, überraschte und verwirrte sie: Um das Haus des Pastors herum standen lauter in weiß gekleidete Personen. Die Angreifer beschlossen daraufhin, es in der kommenden Nacht noch einmal zu versuchen. Aber auch in dieser Nacht bot sich ihnen das gleiche Bild: Etwa ein Dutzend Personen bildeten einen Kreis und hielten Wache. Nachdem die zerstörungswütigen Hindus es in der dritten Nacht ebenfalls vergeblich versucht hatten, das Haus des Pastors anzuzünden – wieder war es von Personen in weißer Kleidung umstellt – rief einer von ihnen den Pastor an und fragte: „Schlaft ihr denn nie? In drei aufeinander folgenden Nächten haben wir versucht, dein Haus in Brand zu stecken. Jedes Mal ohne Erfolg, ständig wird es von euch bewacht!“ Bishal antwortete: „Wir waren alle im Bett und haben geschlafen. Was ihr gesehen habt, müssen Engel gewesen sein. Wie du siehst, werden meine Familie und ich von unserem Gott beschützt. Deshalb haben wir keine Angst!“

Wie Gott sich in den Schwachen verherrlicht

Ab und zu fährt Pastor Bishal in ein entlegenes Bergdorf, um Prem* zu besuchen: Prem kommt aus einem sehr einfachen Stamm. Er hat nie die Schule besucht und konnte, wie etwa 45 Prozent aller erwachsenen Nepalesen, deshalb weder lesen noch schreiben. Als vor 15 Jahren sein Dorf davon erfuhr, dass Prem an Jesus glaubt, wurde er aus ihrer Gemeinschaft verstoßen. Ein Christ – so etwas gab es in ihrem Dorf bisher nicht. Nach etwa drei Monaten wagte Prem es dennoch, nach Hause zurückzukehren, und erfuhr, dass sein Onkel, ein bekannter Medizinmann, krank geworden war. Er betete für ihn – und sein Onkel wurde geheilt. Trotz dieses Wunders waren viele Dorfbewohner immer noch gegen Prem. Also verhielt er sich still und betete heimlich dafür, dass Jesus die Herzen der Dorfbewohner berühren möge, sodass sie eines Tages bereit dazu sein würden, ihn als ihren Herrn anzunehmen. Und er betete dafür, dass Gott ihm helfen würde, die Bibel zu lesen. Tatsächlich war er eines Tages nicht nur in der Lage dazu, Gottes Wort zu lesen und zu verstehen; er konnte plötzlich sogar schreiben. Das befähigte ihn dazu, zu predigen und andere zu lehren, was in der Bibel steht. Als Bishal vor 12 Jahren Prems Mentor wurde, taufte er 102 ehemalige Hindus, die Prem zum Glauben geführt hatte – inzwischen sind es mehr als 600 Gläubige. Bishal staunt immer wieder, wenn er in das Dorf von Prem fährt, um ihn und die anderen Gläubigen zu unterstützen und zu ermutigen: “Er ist ein sehr einfacher Mann und scheint aus menschlicher Sicht für den Dienst völlig ungeeignet. Aber Gott gebraucht ihn auf eine beeindruckende Art und Weise! Das gesamte Dorf ist durch ihn verändert worden.“

Derzeit sind etwa vier Prozent Nepalesen Christen. Und es werden täglich mehr; sehr viele von ihnen kommen durch Heilungswunder zum Glauben. Doch das Christentum im Land ist relativ jung. Die meisten Gläubigen gehören der untersten Gesellschaftsschicht an, sind ungebildet und können kaum lesen oder schreiben. Deshalb hilft unser Partner mit Bibelkursen und der Ausbildung von christlichen Leitern und Evangelisten – damit die zahlreichen Gemeinden ein gutes, biblisches Fundament bekommen.

Derzeit sind etwa vier Prozent Nepalesen Christen / @HMK
Ameesh / @HMK

"Wir brauchen Mitarbeiter und Leiter!"

Einer der Pastoren, die unser Partner unterstützt, ist Ameesh*. Er berichtet: „Ich erkrankte an Lepra, als ich noch ein kleiner Junge war. Deshalb galt ich als „unrein“ und wurde verstoßen. Schließlich kam ich in eine christliche Einrichtung, wo ich behandelt wurde. Dort lernte ich das Evangelium kennen und entschied mich für ein Leben mit Jesus Christus.“ Ameesh kommt aus einer armen Familie, er konnte weder lesen noch schreiben. Vor etwa 12 Jahren begann er dann, die Bibelkurse unseres Projektpartners zu besuchen. „Ich habe eine Menge gelernt!”, erinnert sich der schüchterne Mann. Schließlich hatte er das Gefühl, dass Gott ihn als Gemeindegründer und -leiter gebrauchen möchte. 2008 wurde er nach intensiven Gesprächen mit seinem damaligen Mentor zum Pastor einer kleinen Gemeinde eingesetzt. Inzwischen hat er 13 weitere Gemeinden gründen können; knapp 1500 Gläubige gehören dazu. Nur eine dieser „Hauskirchen“ hat ein eigenes Gebäude, in dem sie sich treffen kann. „ Wir brauchen unbedingt mehr Mitarbeiter, die ein Herz dafür haben, Gott und den Menschen zu dienen“, erklärt er. „Wir beten um mehr Leiter, weil unsere Gemeinden so schnell wachsen und wir ihnen einfach nicht die richtige Unterweisung im Gottes Wort geben können, damit sie im Glauben wachsen und stark werden können.“

Verfolgung von allen Seiten

Und stark müssen die Christen in Nepal sein. Besonders in ländlichen Gegenden stehen Gläubige mit hinduistischem Hintergrund unter dem starken Druck von Familie, Freunden und Nachbarn, die sie dazu bringen wollen, ihren christlichen Glauben zu widerrufen. Oft werden sie von ihnen verstoßen – so auch Rajan* und seine kleine Familie. Er und seine Frau Yahnaa* entstammen einer niedrigen Kaste, deren Angehörige als „Unberührbare“ gelten und nicht einmal das Wasser des Dorfbrunnens nutzen dürfen. Als Yahnaa schwer krank wurde, mussten sie Schulden aufnehmen, um sie erst von einem Medizinmann und anschließend in einer Klinik behandeln zu lassen. Doch auch nach zwei Jahren trat immer noch keine Besserung ein – im Gegenteil: Yahnaa konnte nicht einmal mehr für ihre eigene Tochter sorgen. In dieser ausweglosen Situation machte ein Nachbar sie auf eine christliche Gemeinde aufmerksam. Nach zwei Wochen Gebet ging es Yahnaa besser; nach zwei Monaten war sie komplett geheilt. Sie konnte sogar wieder arbeiten gehen und so ihre Schulden begleichen. Doch als das Ehepaar sich schließlich taufen ließ, wurden sie von der Dorfgemeinschaft enteignet und vertrieben. Sie mussten ihr Zuhause, ihre Arbeitsstellen und sogar ihre kleine bescheidene Hütte verlassen, um in einer etwa 100 Kilometer weit entfernten Stadt Zuflucht zu suchen. Mit der Hilfe anderer Christen konnten sie schließlich eine neue Arbeitsstelle finden. Inzwischen haben Rajan und Yahnaa neben ihrer Tochter, die im Teenageralter ist, noch einen Sohn bekommen. In ihrem Heimatdorf sind sie nach wie vor nicht willkommen.

Nepal / @HMK

Der Druck wächst

Bisher ging von der Regierung kaum Verfolgung aus; es sind vor allem radikale Nationalisten, die für ein „hinduistisches Nepal“ kämpfen und im Christentum eine aus dem Westen kommende Religion sehen, die ihr Land infiltriert und schädigt. Sie scheuen nicht davor zurück, Christen zu bedrohen oder tätlich anzugreifen. Auch marxistische Gruppierungen, eine weitere politisch starke Kraft in Nepal, wenden sich gegen sie. Doch seit 2015 gilt eine neue Verfassung, welche die Religionsfreiheit einschränkt. Am 8. August 2017 verabschiedete das nepalesische Parlament zudem ein Antibekehrungsgesetz, das am 16. Oktober 2017 vom Präsidenten unterzeichnet wurde – ein weiteres Zeichen einer sich verschlechternden Situation für Christen. Wir bitten Sie deshalb: Beten Sie mit uns für unsere Geschwister in Nepal! Vielen Dank!

Anteilnehmen und Lernen

„Stimme der Märtyrer“ – Das Magazin der Hilfsaktion Märtyrerkirche

Das Magazin gibt den um ihres Glaubens Willens verfolgten und bedrängten Christen eine Stimme durch ...

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