Hier bin ich. Sende mich!
Kaschmir

Hier bin ich. Sende mich!

Als junger Mann erlebte Ahmed den Konflikt in seiner Heimatregion Kaschmir hautnah mit und stand kurz davor, sich dem Unabhängigkeitskampf der Separatisten anzuschließen.

Doch dazu kam es nicht. Ahmed stürzte in eine tiefe persönliche Krise und erlebte, wie Jesus ihm wieder heraushalf. Seit seiner Bekehrung will er wieder für Freiheit kämpfen, nur dieses Mal ganz anders – nicht mit Waffen, sondern im Glauben. Seine Landsleute sollen die wahre Freiheit in Jesus Christus erfahren.

Ahmed war 27 Jahre alt, als 1990 in seiner Heimatregion der Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan wieder aufflammte. Die überwiegend muslimisch bevölkerte Himalaya-Region Kaschmir ist seit der Gründung der beiden Staaten Indien und Pakistan am 14./15. August 1947 umkämpft. Jetzt forderten verschiedene Separatistengruppen den Beitritt Kaschmirs zu Pakistan und organisierten einen Aufstand gegen die indischen Soldaten. Doch dieser wurde blutig niedergeschlagen.

Aufgrund seines muslimischen Glaubens fühlte sich Ahmed mit Pakistan verbunden. Viele seiner Freunde ließen sich in einem Separatistenlager als „Freiheitskämpfer“ ausbilden. Verschiedene militante Gruppen rekrutierten die jungen Männer. Auch Ahmed wollte sich ihnen anschließen.


„Seine Landsleute sollen die wahre Freiheit in Jesus Christus erfahren.“


Der Wendepunkt in Ahmeds Leben

Eines Tages kam es zu Zusammenstößen zwischen den Separatisten und den indischen Soldaten. Dabei kam ein enger Freund von Ahmed um. Sein Tod änderte alles in Ahmeds Leben. Plötzlich verabscheute er den Gedanken, für die Freiheit von Kaschmir zu kämpfen. Obwohl Ahmed nichts mehr mit diesem Konflikt zu tun haben wollte, wurde er gemeinsam mit 25 anderen Männer festgenommen. Das indische Militär warf ihnen die Beteiligung an einem Aufstand vor. Ahmed war der Einzige der Gruppe, der wieder freikam. Als er daraufhin heimkehrte, drängte ihn seine Mutter, in die benachbarte, mehrheitlich hinduistische Region Jammu zu fliehen.

Durch die Erfahrungen in Kaschmir war Ahmed traumatisiert. Er fing an zu trinken, wurde schließlich alkoholabhängig und musste sich in einer Suchtklinik behandeln lassen. Seine Schwester, die auch in Jammu lebte und inzwischen zum Glauben an Jesus gefunden hatte, bat ihren Pastor, für ihren Bruder zu beten. Der Pastor besuchte Ahmed dann sogar in der Klinik und las ihm einige Stellen aus der Bibel vor – unter anderem den Vers „Wenn mein Volk, über das mein Name genannt ist, sich demütigt, dass sie beten und mein Angesicht suchen und sich von ihren bösen Wegen bekehren, so will ich vom Himmel her hören und ihre Sünde vergeben und ihr Land heilen“. (2. Chr. 7,14)

Es war wie ein Wunder

Diese Bibelworte gaben Ahmed neue Hoffnung und Zuversicht. „Es war wie ein Wunder. Innerhalb einer Woche hat mich Gott wiederhergestellt und ich wurde von meiner Sucht frei. Also setze ich mein ganzes Vertrauen auf Jesus Christus“, erinnert sich Ahmed. Als seine Familie und Freunde von seinem neuen Glauben hörten, lehnten sie ihn ab. „Obwohl es sehr schwer für mich war, blieb ich an Jesus dran und hoffte, meine Familie, Freunde und Landsleute für Jesus gewinnen zu können“, erzählt Ahmed. 

Nach seiner Taufe im Mai 1992 fühlte sich Ahmed von Gott berufen, den Menschen in Jammu das Evangelium zu verkünden. Bestätigt wurde er durch eine Predigt über Jesaja 6,8: „Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Und ich antwortete: Hier bin ich, sende mich!“ Als Ahmed die Worte aus der Predigt hörte, sprach auch er wie Jesaja aus vollem Herzen: „Hier bin ich, sende mich!“

Keine Angst vor Verfolgung

Die nächsten sieben Jahre predigte Ahmed das Evangelium in Jammu – in einer Region, in der die hindunationalistische Organisation RSS großen Einfluss hat. Ihr Ziel ist es, Indien von einem säkularen hin zu einem rein hinduistischen Staat zu verändern. Dabei geht sie radikal vor und verfolgt auch Christen. „Ich hatte keine Angst vor Verfolgung, weil Jesus auch verfolgt und geschlagen wurde. Also nahm ich in Kauf, um seines Namens Willen zu leiden“, erzählt Ahmed. Täglich erreichte er zusammen mit anderen Missionaren mehr als 50 Familien mit dem Evangelium.

Schließlich geriet Ahmed in den Fokus der militanten Hindus. Eines Tages wurde er während einer Evangelisation von Mitgliedern der RSS umzingelt und zusammengeschlagen. Trotz weiterer Konfrontationen mit dieser Organisation predigte Ahmed wie bisher und gründete etliche Kirchen in Jammu. Dann rief Gott ihn, in seine alte Heimatregion Kaschmir zurückzukehren, um auch dort den Menschen von Jesus zu erzählen.

Von Gott hindurch getragen

Zurück in Kaschmir arbeitete Ahmed mit Missionaren vor Ort. Eines Tages traf er einen Mann namens Mohammed Yousef Bhat, der am Evangelium interessiert war. Ahmed schenkte ihm ein Neues Testament und lud ihn in seine Gemeinde ein. Innerhalb kürzester Zeit entschied sich Yousef klar für die Nachfolge Jesu. Voller Hingabe verkündete er an Ahmeds Seite den Muslimen die frohe Botschaft. Sie verteilten Bibeln und anderes christliches Material wie zum Beispiel den Jesus-Film. Bald darauf wurden die beiden Männer mit dem Tod bedroht. „Meine eigenen Leute – Freunde, Familie und Nachbarn – verrieten mich. Der Imam belegte mich mit einer Fatwa. Weil ich den Menschen von Jesus erzählte, sollte ich getötet werden. Das war für mich eine sehr schwere Zeit. Aber Gott hat mich da hindurch getragen“, bekennt Ahmed. 

In dieser Zeit erhielt Ahmed viele Morddrohungen. Einmal fand Ahmed einen Brief von radikalen Islamisten in seinem Briefkasten: „Hör auf, den Menschen das Evangelium zu predigen, sonst töten wir dich“. Die Drohung machte Ahmed Angst. Er beschloss, die Gegend zu verlassen. „Als ich zum Beten auf die Knie ging, war es, als würde mich eine Stimme fragen: Ahmed, warum fürchtest du Dich?“ Ermutigt durch diese Eingebung blieb Ahmed da, wo Gott ihn hingestellt hatte.




Bitte beten Sie mit,

dass unser Vater im Himmel noch viel mehr Arbeiter wie Ahmed und Yousef in seine Ernte schickt, damit sie den Menschen den Weg zu Jesus zeigen.

Nichts konnte ihn vom Dienst abhalten

Eines Nachts im Jahr 2015 klingelte Ahmeds Telefon. Yousefs Frau berichtete ihm, dass vier schwerbewaffnete, maskierte Männer ihren Mann vor der Haustür erschossen hätten. Ahmed erinnert sich: „Wir haben einen guten Krieger in Jesus verloren. Ich bewunderte ihn für seinen Dienst und seinen Mut. Er hat so treu und entschlossen das Evangelium verbreitet.“ Noch heute, fast zehn Jahre nach Yousefs Tod, spürt Ahmed überall in der Region seinen Einfluss. „Egal, wo ich hinkomme, um zu predigen, überall treffe ich Christen, die durch ihn zum Glauben gekommen sind“, erzählt Ahmed. Wegen der immer wiederkehrenden Morddrohungen fürchtete Ahmed um die Sicherheit seiner Familie. Immer wieder mussten sie deshalb umziehen. Aber nichts konnte ihn von seinem Dienst abhalten. „Ich habe noch viel Arbeit in dieser Welt zu erledigen. Keiner kann mir mein Leben nehmen, solange Gott seinen Plan mit mir nicht zu Ende gebracht hat“, erzählt Ahmed. 

Sein Ziel ist es, weitere Gemeinden zu gründen und örtliche Leiter auszubilden. In letzter Zeit hat Ahmed keine Drohungen mehr erhalten, aber er weiß, dass sich das schnell wieder ändern kann. „Verfolgung ist ein Bestandteil unseres Glaubens. Sie wird mich nicht davon abhalten, die Wahrheit zu verbreiten. Ich will Veränderung in Kaschmir erleben. Darum bin ich bereit, für meinen Herrn zu sterben. Wenn ich getötet werde, dann habe ich den guten Kampf des Glaubens gekämpft, den Lauf vollendet und den Glauben bewahrt“, zitiert Ahmed den Apostel Paulus.



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