Dankbar für Gottes Hilfe
Irak

Dankbar für Gottes Hilfe

Mahmoud wuchs in einer muslimischen Familie im Nahen Osten auf. Sein Onkel war ein Islamgelehrter, der die Scharia-Gesetze umsetzte. Der Islam spielte in Mahmouds Leben aber keine Rolle. Dafür bestimmten Zigaretten, Alkohol und Frauen seinen Alltag. Durch eine kritische Situation im Irak kam Mahmoud 1991 zum ersten Mal mit dem christlichen Glauben in Berührung. Ein Jahr später wurde er Christ. Als seine Familie merkte, dass er es ernst mit Jesus meinte, schlugen sie ihn zusammen. Mahmoud musste vor ihnen aus seiner Heimat fliehen. Seither hilft er anderen Christen im Nahen Osten, die bedroht und vertrieben werden. Mehrmals erlebte Mahmoud, wie Islamisten Christen bedrängten – zuletzt 2014 als der Islamische Staat, IS, das Kalifat ausrief.

Als junger Mann arbeitete Mahmoud für ein Unternehmen, das Materialien für den Palast des damaligen irakischen Diktators Saddam Hussein liefern sollte. Im Januar 1991 ging Mahmoud in den Irak, um gemeinsam mit einem christlichen Arbeitskollegen die Lieferung abzuwickeln. Sie warteten noch auf die Lieferung, als Koalitionsstreitkräfte unter Führung der USA in der Nacht zum 17. Januar damit begannen, zahlreiche Angriffe auf Ziele im Irak zu fliegen („Operation Wüstensturm“). Mahmoud und sein Kollege konnten den Lieferanten nicht mehr erreichen. Sie bekamen Panik. „Wir hatten eine Vereinbarung mit dem Palast. Es ging um viel Geld. Und nun war der Kontakt zum Fahrer abgebrochen. Hätten wir nicht geliefert, wären wir in größte Not geraten“, erinnert sich Mahmoud.


„Ich fiel auf meine Knie und musste weinen. Denn ich erkannte, dass Jesus die Wahrheit ist. Also gab ich mein Leben und mein Herz Jesus.“

Eine Gebetserhörung

Aus Angst vor den Konsequenzen, suchten sie Hilfe in einer Kirche. Ein Pastor betete für sie. Gleich am nächsten Tag kamen die Materialien an. Nachdem Mahmoud und sein Kollege die Materialien am Palast von Saddam ablieferten, reiste er unverzüglich in seine Heimat zurück. Doch das Gebet ließ ihn nicht los. Hatte der Gott der Christen das Gebet wirklich erhört? Ein Jahr später lernte Mahmoud einen Missionar in seiner Heimat kennen. Fortan ging er mit ihm in die Kirche. Mahmoud gefielen die Predigten. Doch sein ausschweifendes Leben ging weiter, bis ihn eines Tages ein Gastprediger aus Ägypten aufforderte, mit seinem Lebensstil zu brechen und Jesus nachzufolgen. Mahmoud fühlte sich überrumpelt, ließ dann aber für sich beten. „Ich fiel auf meine Knie und musste weinen. Denn ich erkannte, dass Jesus die Wahrheit ist. Also gab ich mein Leben und mein Herz Jesus“, erinnert sich Mahmoud.

Leiden um Jesu willen

Durch Gottes Gnade änderte sich Mahmouds Leben. Seiner Familie fiel die Veränderung auf. Erst dachten sie, Mahmoud würde nur wegen der Frauen in die Kirche gehen. Doch als er anfing, den Menschen in seiner Heimat von Jesus zu erzählen, merkten sie, dass es ihm ernst war mit seinem neuen Glauben. Daraufhin stellten sie Mahmoud zur Rede und forderten ihn auf sich von Jesus loszusagen. Aber Mahmoud weigerte sich. „Ich erinnerte mich an die Worte Jesu: ‚Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater‘“, erzählt Mahmoud.

Das erzürnte seine Familie so sehr, dass sie Mahmoud verprügelten und mit dem Messer bedrohten. Er erlitt eine Schnittwunde und verlor mehrere Zähne. Mahmoud musste daraufhin in einem Krankenhaus behandelt werden. Nach seiner Entlassung tauchte er für sechs Monate unter. Danach floh er nach Europa. Hier lernte er seine Frau kennen, absolvierte eine biblische Ausbildung und wurde zum Pastor ordiniert.

Zerfall des Irak und Aufstieg des IS

Am 20. März 2003 marschierten die USA und ihre „Koalition der Willigen“ in den Irak ein, diesmal ohne UNO-Resolution, um Saddam Hussein zu stürzen. Nur zwei Monate später erklärten die USA den Krieg für beendet. Noch im gleichen Monat reiste Mahmoud ins Land, er wollte die neue Situation zu nutzen, um den Menschen das Evangelium zu bringen und die Christen im Irak zu unterstützen. Mahmoud gründete mehrere Schutzhäuser und einen Kindergarten für christliche Familien. Als der Islamische Staat im Juni 2014 das Kalifat ausrief, war Mahmoud vor Ort und half den Christen, die vor den Terroristen fliehen mussten. Allein aus Karakosch, 20 Meilen von Mossul entfernt, mussten 60.000 Christen fliehen. Die Terroristen hatten ihnen ein Ultima- tum gestellt: Entweder ihr konvertiert zum Islam oder verlasst eure Städte.

„Ich bekam die Nachricht, dass zehntausende Christen unterwegs waren, um in Erbil Schutz zu suchen. Sofort versuchte ich, Hilfe für sie zu organisieren. Aber es waren so viele. Wir hatten kaum Platz für sie. In der ersten Woche über- nachteten sie in den Straßen und unter den Brücken, bis die Regierung und die Hilfsorganisationen Flüchtlingszelte aufbauten. Dann versorgten wir sie mit dem Nötigsten. Viele waren traumatisiert und brauchten auch seelsorgerlichen Beistand“, erinnert sich Mahmoud.

„Wir vertrauten Gott und er beschützte uns und half uns, vor den Islamisten zu fliehen.“

„Ich vergebe den Islamisten“

Unter den Flüchtlingen aus Karakosch waren auch Myriam und ihre Familie. Sie wurde durch ein Interview mit Sat-7 (Sie finden es in unserer Mediathek) bekannt als das Mädchen aus Karakosch, das dem IS vergibt. Ihre Worte bewegten viele Menschen. Zehn Jahre nach dem IS-Angriff auf ihre Stadt haben wir mit Myriam gesprochen. Sie erzählte uns, dass sie zu keinem Zeitpunkt wütend auf
die Terroristen war. „Im Johannesevangelium Kapitel 16 Vers 2 steht geschrieben: ‚Es kommt aber die Zeit, dass, wer euch tötet, meinen wird, er tue Gott einen Dienst damit.‘ Das ist bei den Islamisten der Fall. Aber sie wissen nicht, was sie tun. Genau wie Jesus am Kreuz betete: ‚Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!‘ Also vergab ich ihnen“, sagt Myriam. „Wir vertrauten Gott und er beschützte uns und half uns, vor den Islamisten zu fliehen. Dafür sind wir ihm dankbar. Es ist ein Segen, sein Kind zu sein.“
 

Gott beschützte uns

Sie sei aber auch noch zu klein gewesen, um alles zu verstehen. Zudem habe sie niemanden aus der Familie verloren. Deshalb sei es für sie auch einfacher gewesen zu vergeben. Dann erzählt sie von ihrer unbeschwerten Kindheit in Karakosch. Mit ihrer jüngeren Schwester und den Kindern in der christlichen Nachbarschaft habe sie viel draußen gespielt. Ihre Eltern seien sehr gottesfürchtige Menschen gewesen. Jeden Sonntag gingen sie in die Kirche. „Nach der Kirche picknickten wir im Park. Es war alles so friedlich“, erzählt Myriam.

Doch im Juni 2014 änderte sich alles in ihrem Leben: „Wir hörten laute Schüsse. Ein Bekannter rannte in unser Haus und erzählte uns, dass zwei Kinder bei einem Anschlag der IS getötet wur- den. Sofort entschied mein Vater, mit uns aus Karakosch zu fliehen. Wir brachten uns in Erbil in Sicherheit“, erzählt Myriam.

Rückeroberung christlicher Dörfer

2016 konnte der IS zurückgedrängt werden. Große Gebiete um Mossul herum wurden zurückerobert. Viele Christen konnten in ihre Städte zurückkehren. Myriams Familie kehrte 2018 heim. „Ich erkannte Karakosch nicht wieder. Es war wie eine Geisterstadt. Viele Häuser und Kirchen waren zerstört oder niedergebrannt. Unser Haus stand noch. Aber alles war geplündert worden. Wir fanden nur noch eine Puppe, mit der wir früher gespielt hatten. Es war so traurig, mir zerriss es fast das Herz“, erinnert sich Myriam. 

Myriam ist heute 19 Jahre alt und schreibt ihre Abschlussprüfungen. Sie will an die Universität gehen und Englischlehrerin werden. Am liebsten möchte sie in der Nähe ihrer Mutter und Schwester bleiben. Ihr Vater ist dieses Jahr verstorben und sie trauern um ihn.

Bitte beten Sie mit

für die Christen im Irak, dass Gott ihre Wunden heilt und sie vor weiteren Anschlägen beschützt. Wenn Sie Christen im Irak helfen wollen, freuen wir uns über Ihre Unterstützung unter dem Stichwort „Hilfe für Christen im Irak“.

Leben mit einem Trauma

Myriams Mutter geht arbeiten und kann die Familie mit dem wenigen Geld, das sie verdient, durchbringen. Doch viele Christen haben alles verloren: Häuser, Eigentum und Arbeit. Sie leben seit 2014 in prekären Verhältnissen. Der Wiederaufbau geht nur schleppend voran. Viele Christen sehen keine Zukunft für sich im Irak. „Viele haben das Land bereits verlassen. Und die meisten die noch da sind, sagen: ‚Wir wollen weg. Wir fühlen uns hier nicht mehr sicher. Immer wieder werden wir attackiert. Wir können niemandem mehr vertrauen.‘ Sie leben alle mit einem Trauma“, erzählt Mahmoud und bittet um Gebet.



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