Indien
"Mordwaffe" Gebet – wenn Christen für ihren Dienst ins Gefängnis kommen

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Straßenszene in Indien

Surjan, Kolah und Krishna verbrachten neun Monate im Gefängnis, weil sie für eine kranke Frau gebetet hatten, die später verstarb. Ihre Haftzeit war nicht einfach. Aber ihr Glaube blieb stark; selbst hinter Gittern hörten sie nicht auf, Gottes Wort zu verkünden.

Pastor Surjan Khariya hat sich vor 15 Jahren bekehrt. Damals wurde er von einer Krankheit geheilt, an der schon seine siebenjährige Tochter gestorben war. Wie die meisten aus seinem Dorf im indischen Bundesstaat Jharkhand war auch er Anhänger einer Religion, die die Natur anbetet, und brachte regelmäßig Opfer für sie dar. Nachdem Christen für ihn gebetet hatten und er geheilt worden war, übergab Surjan jedoch sein Leben Jesus Christus und wurde schließlich Leiter einer kleinen Hausgemeinde.

Ein Mitglied dieser Hauskirche, Kolah Lohra, stolperte im wahrsten Sinne des Wortes eines Tages vor neun Jahren in die Gemeinde. Er hatte von draußen die Lobpreismusik gehört. Seit Jahren alkohol- und drogenabhängig, wankte er mitten in die Versammlung, tanzte und sang laut zu der Musik. Unbeeindruckt von seinem betrunkenen Auftritt luden die Gemeindemitglieder ihn dazu ein, am nächsten Tag wieder zu kommen – was er überraschenderweise auch tat. Kolah hatte das Gefühl, dass die Lobpreismusik tief in ihm etwas verändert hatte und betete für einen Neuanfang. Anschließend packte er all seine Drogen zusammen und warf sie weg.

Vor etwa zwei Jahren entschieden sich schließlich Kolahs 27-jähriger Neffe Krishna zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kindern für Jesus und wurden ebenfalls Mitglieder der Hauskirche. „Wir waren sehr krank und hatten wirklich große Sorgen“, erinnert sich Krishna. „Als wir anfingen, in die Kirche zu gehen und zu beten, verschwanden die Probleme nach und nach.“

Ein Gebet verändert alles

Surjan, Kolah und Krishna hatten die Kraft Gottes in ihren Leben erfahren. Deshalb kehrten sie der Naturreligion ihres Dorfes den Rücken zu und wurden Christen. Und deshalb sagten sie auch ohne zu Zögern zu, als eines Tages ein Gemeindemitglied sie darum bat, für seine kranke Ehefrau zu beten. Als die Frau später starb, wurden die drei jedoch dafür von den Dorfbewohnern verantwortlich gemacht.

Wenige Monate zuvor waren die Dorfbewohner wütend auf die drei Christen geworden, weil diese sich geweigert hatten, an einer rituellen Jagd teilzunehmen, die den Naturgott besänftigen sollte. Die Dorfgemeinschaft entschied deshalb, eine hohe Geldstrafe zu verhängen, die die Christen allerdings nicht bezahlen konnten. Also schlossen die Dorfbewohner sie von der Verteilung der Lebensmittelkarten aus und hinderten sie daran, den Brunnen zu benutzen. Als die Männer wenigstens einen Teil der Strafe bezahlten, ließen die Spannungen etwas nach … bis der Tod der Frau den Unmut der Dorfgemeinschaft erneut entfachte.

Obwohl Surjan, Kolah und Krishna nicht die Einzigen gewesen waren, die für die kranke Frau gebetet hatten, konnten die Dorfbewohner sie als Einzige namentlich nennen. Deshalb wurden sie des Mordes beschuldigt und stellten sich am 13. November 2017 der Polizei. Sie waren sich sicher, schnell wieder freizukommen; schließlich waren sie unschuldig. Surjan vertraute darauf, dass der Herr sie stärken würde, und empfand es sogar als ein Vorrecht, für ihn leiden zu dürfen. „Was immer ich getan habe, habe ich für den Herrn getan“, sagte er. „Er wird sich um alles kümmern. Unser Opfer ist nichts verglichen mit dem, was der Herr für uns erlitten hat.“

Ein Christ betet am Ganges-Fluss, wo Hindus ihre Rituale vollziehen

Hinter Gittern

Neuneinhalb Monate verbrachten die drei Männer im Gefängnis von Gumla, wo die Wachen sie die „Halleluja-Leute“ nannten. Sie waren die einzigen Christen. Jeden Morgen trafen sie sich, sobald sie aufgewacht waren, um gemeinsam zu beten. Ein Verwandter brachte ihnen eine Bibel. „Als die Mitgefangenen bemerkten, dass wir beteten und in der Bibel lasen, kamen meist ein oder zwei von ihnen auf uns zu und baten uns, für sie zu beten“, erzählt Surjan. „Wir haben ihnen dann von Gott erzählt.“ Als die drei Christen anschließend in ein anderes Gefängnis verlegt wurden, hatten sich in der Zwischenzeit 13 Männer bekehrt.

Surjan, Kolah und Krishna waren dankbar für die Möglichkeit, das Evangelium an die Mitgefangenen weitergeben zu können. Doch sie machten sich auch Sorgen um ihre Familien. Jedes Mal, wenn seine Frau ihn besuchte, fragte Kolah sie, ob sie auch weiterhin zum Gottesdienst gehe. Sie versicherte es ihm. Aber Kolah machte sich auch Sorgen um Krishna, der ja erst einen Monat vor seiner Verhaftung Christ geworden war. „Ich hatte Angst um ihn, denn schließlich war er unmittelbar nach seiner Bekehrung sofort in diese Schwierigkeiten geraten“, erklärt Kolah.

Krishna blieb standhaft im Glauben, doch auch er machte sich Gedanken um seine Familie: „Unser Glaube war stark, aber wir sorgten uns einfach um unsere Familien. Nach ungefähr drei Monaten habe ich mir ernsthaft Gedanken über die Zukunft gemacht. Ich war mir nicht sicher, ob ich meine Kinder je wiedersehen würde. Ich war ziemlich verwirrt.“

Wieder auf freiem Fuß

Im vergangenen August gelang es einem Anwalt, den ein HMK-Partner engagieren konnte, die drei Männer auf Kaution freizubekommen. Sie durften vorerst zu ihren Familien zurückkehren. Der Hauptkläger könnte seine Beschwerde fallen lassen, doch es wird sehr wahrscheinlich noch mehrere Monate dauern, bis der Fall gelöst ist. In der Zwischenzeit müssen Surjan, Kolah und Krishna sich immer wieder von der Arbeit freinehmen und für jede Anhörung vor Gericht in die nächste Stadt fahren. Sie berichten, dass sich das Miteinander im Dorf wieder normalisiert hat. Aber es kann sein, dass einige Dorfbewohner den Kläger unter Druck setzen, damit dieser seine Beschwerde aufrechterhält.

Ihre Zeit im Gefängnis war hart, trotzdem bleiben alle drei Männer dem Gott treu, der sie geheilt und innerlich stark gemacht hat. „Das Gefängnis war die Hölle für mich“, erinnert sich Kolah. „Aber seit der Haftentlassung bin ich stärker.“ Noch ein „Anfänger“ im Glauben, hat es Krishna besonders ermutigt, Hilfe von seinen Glaubensgeschwistern zu erfahren. „Wir bedauern nicht, was uns passiert ist, weil wir so erfahren konnten, wie viele Menschen bereit sind, uns zu helfen.“   Surjan ist jetzt vorsichtiger geworden, wenn er für jemanden betet oder von Gott erzählt. „Ich bin seit meiner Haftentlassung ängstlicher“, gibt er zu. „Ich bin immer noch fest entschlossen, meinen Dienst zu tun, aber dieses Mal mit sehr viel mehr Vorsicht. Ich will nach wie vor jedem die Gute Nachricht bringen – ganz egal, ob derjenige mir zuhört oder nicht. Ganz egal, ob es Frucht bringt oder nicht. Das ist mein Auftrag: Samen zu säen und das Evangelium zu verbreiten.“

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