So wie er leben
Indien

So wie er leben

Bindi lernte ihren Ehemann 2017 kennen, als ihr Vater einen jungen Mitarbeiter namens Kande mit nach Hause in den indischen Bundesstaat Jharkhand brachte. Zu ihren ersten Gesprächen gehörte eine Diskussion über einen Mann namens Jesus, den Bindi unbedingt kennenlernen sollte. „Kande erzählte mir, wie Jesus sein Leben verändert hatte und von dem Frieden, den er durch ihn erlebte“, erinnert sie sich. „Er half mir auf dem Weg zu Jesu, so dass auch ich ihn annehmen konnte.“

Obwohl Bindis Eltern eine animistische Weltanschauung vertraten, hatten sie nichts gegen die Entscheidung ihrer Tochter, Christ zu werden. Auch nicht gegen ihren Wunsch, Kande zu heiraten. Nach der Hochzeit zogen die Frischvermählten in ein Haus, das Kande im benachbarten Dorf gebaut hatte. Dort waren sie die ersten und einzigen Christen in der hinduistischen Dorfgemeinschaft.

Mit ihren Nachbarn sprachen Bindi und Kande oft über das Evangelium und beteten für die Kranken. Bald jedoch erregte ihr christlicher Glaube die Aufmerksamkeit der Dorfältesten. Andere Einwohner begannen, sie zu beschimpfen und ihnen Gewalt anzudrohen. „Im Gebet und im Vertrauen auf Gott setzten wir unseren Weg mit Jesus fort“, so Bindi.

 

Der Druck wächst

Kande und Bindi besuchten eine Gemeinde in der nahegelegenen Stadt. Kande brachte sich in die Gemeinde und deren Projekten ein und versäumte selbst nach einem langen Tag auf dem Bau weder ein Gebetstreffen noch eine Bibelstunde.

Sein aktiver Glaube irritierte die Dorfältesten. Sie forderten Kande auf, sich auf einer Dorfversammlung öffentlich von seinem christlichen Glauben loszusagen. Bald besuchten radikale Hindus Kande zu Hause und drängten ihn, an einer Zeremonie zu Ehren der Hindu-Götter teilzunehmen und für hinduistische Zwecke zu spenden. Als er sich weigerte, drohten sie ihm mit dem Tod. Jedes Mal, wenn Bindi und Kande auf diese Art und Weise bedrängt wurden, beteten sie um Kraft, die Angriffe zu überstehen. Oft las Kande aus der Bergpredigt vor: „Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich“ (Matthäus 5,10).

Kande vertraute Gott

„Ich werde für Jesus leben oder für Jesus sterben, aber zu meinem alten Leben zurückkehren werde ich niemals!“

Die Gewalt nimmt zu

Im Jahr 2018, kurz nach der Geburt von Bindis erster Tochter, ist ihre Mutter gerade zu Besuch, um mit dem Baby zu helfen. Plötzlich dringt eine Gruppe junger Männer in ihr Haus ein. Sie bedrohen und beschimpfen die Familie wegen ihres christlichen Glaubens. Als Kande sich nicht einschüchtern lässt, nehmen die Männer seine Schwiegermutter mit in den nahegelegenen Dschungel und vergewaltigen sie. Vier der Männer werden später verurteilt und befinden sich derzeit im Gefängnis.

Folge Jesus weiter nach!

Doch die Gewalt endet nicht mit dem Angriff auf Bindis Mutter und der Verhaftung ihrer Angreifer. Weiterhin erhält die Familie Drohungen, weil sie sich weigert, ihrem Glauben abzuschwören. Am Abend des 7. Juni 2020 bekommt Kande einen anonymen Anruf von einem Mann, der ihm droht, ihn zu töten. Sofort beten Bindi und Kande. Gegen 20 Uhr klopft es laut an der Tür. Als Kande unauffällig zum Fenster hinaussieht, erblickt er eine Gruppe bewaffneter Männer. „Wenn Gott jetzt mein Leben beenden will, dann ist das sein Wille“, sagt er zu Bindi. „Wenn Gott mich retten will, wird er mich retten. Egal, was mit mir geschieht, du darfst deinen Glauben an Jesus nicht aufgeben. Auch wenn du in Schwierigkeiten gerätst, folge Jesus weiter nach!“

Nur Augenblicke später bricht einer der Männer die Tür auf und zerrt Kande aus dem Haus. Bindi fleht die Männer an, das Leben von Kande zu verschonen. Die Männer verjagen sie, woraufhin sie zu einem Freund aus der Gemeinde läuft und dort die Nacht über bleibt. Am nächsten Morgen findet man Kande. Er liegt tot an der Straße, die zu seiner Kirche führte.

Nach der Ermordung von Kande zieht Bindi mit ihren mittlerweile zwei Töchtern zurück zu ihren Eltern. Obwohl ihr Vater nie Einwände gegen ihren christlichen Glauben hatte und ihre Mutter sogar zum Glauben an Jesus gefunden hat, wird er jetzt unsicher. Seine Frau ist vergewaltigt und sein Schwiegersohn ermordet worden, so viel Leid ist zu viel für ihn. Er rät ihr, sie solle aufhören, Jesus zu folgen und zur Weltanschauung ihrer Familie zurückzukehren. Doch Bindi antwortet ihrem Vater mit einem Satz, den Kande einmal gesagt hatte: „Ich werde für Jesus leben oder für Jesus sterben“, sagt sie, „ aber zu meinem alten Leben zurückkehren werde ich niemals!“

Andere stark machen

Die Mörder von Kande laufen immer noch frei herum. Bindi ist nicht in ihr Haus zurückgekehrt, weil sie einen weiteren Anschlag fürchtet. Doch der Mord an ihrem Mann hält sie nicht davon ab, weiter mit Jesus zu leben. Im Gegenteil: Sie möchte ihm noch treuer nachfolgen. „Ich habe in Kandes Leben eine tiefe Liebe und Hingabe an Jesus gesehen“, erklärt sie. „So wie er gelebt hat, möchte ich auch leben. Zu sehen, wie er Jesus nachgefolgt ist, hilft mir dabei, das Gleiche zu tun.“

Bindi vermisst Kandes unerschütterlichen Glauben. Das gemeinsame Gebet als Familie und das gemeinschaftliche Bibellesen sieht jetzt anders aus. „Ich denke oft an die letzten Worte von Kande. Er blieb dem Herrn bis zum letzten Augenblick seines Lebens treu und vertraute ihm“, erinnert sie sich. Trotz des großen Verlustes möchte Bindi versuchen, den Mördern ihres Mannes zu vergeben. Seit Kandes Tod hat sie mehr über Gottes Treue und seine Ziele gelernt. „Gott hat mir gegeben, was ich brauche“, sagt sie. „Gott lehrt mich, stark zu bleiben, damit ich andere Frauen stark machen kann.“

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