Bibeltransport als Berufung
Kolumbien

Bibeltransport als Berufung

In Kolumbien kämpfen Terroristen, Guerillas und paramilitärische Einheiten gegen die Regierung in Bogotá. Ihren Kampf finanzieren sie durch Drogengeschäfte. Rolo, ein ehemaliger kommunistischer Guerillakämpfer, reist seit vielen Jahren mit der Bibel im Gepäck durch die von Terroristen kontrollierten Gebiete, die sogenannten „roten Zonen“.

Die Guerillakämpfer gehen nicht nur gegen die Regierung, sondern auch gegen hilflose Menschen vor. Christen werden entführt oder ermordet. Besonders Pastoren und deren Familien geraten immer wieder in die Schusslinie und das im Wortsinn. Zur Strafverfolgung kommt es kaum. Kommunistische Guerilla wie die FARC, deren Splittergruppen trotz eines Waffenstillstands 2016 weiterkämpfen, sind geprägt von einer diffusen atheistisch-kommunistischen Ideologie. Christen geraten in Konflikt mit ihnen, weil sie sich aufgrund ihres Glaubens weigern, bei kriminellen Aktivitäten wie dem Drogenanbau mitzumachen.

Bedroht, geschlagen und gefoltert

Auch Rolo wurde bereits bedroht, geschlagen und sogar gefoltert, dennoch ist er seit 20 Jahren unterwegs, um Bibeln zu verteilen. Aufgrund seiner Vergangenheit als Guerilla-Kämpfer hat er Mittel und Wege, auch in solche Regionen zu gelangen, die anderen verschlossen sind. „Gebt mir die Bibeln und Benzin, dann fahre ich los, um Bibeln dahinzubringen, wo sie gebraucht werden“, sagt er.

Auf seinen Reisen muss Rolo flexibel sein und seine Route jeweils den Gegebenheiten anpassen. Auch Einfühlungsvermögen ist wichtig, damit er sich auf die ganz unterschiedlichen Menschen einstellen kann, denen er begegnet. Und nicht zuletzt ist auch handwerkliches Geschick gefragt, schließlich kann es passieren, dass sein Motorrad liegen bleibt. In den entlegenen und einsamen Gebieten in den „roten Zonen“ findet sich keine Reparaturwerkstatt. Da muss er selbst ran und alles wieder in Gang bringen. Die meisten Menschen, die Rolo in den Dörfern besucht, sind auf irgendeine Art und Weise in das Kokaingeschäft verwickelt, sei es, dass sie selbst Kokapflanzen anbauen oder als Teil der Transportkette am Drogenhandel mitwirken. Diese Menschen leben zwischen den unterschiedlichsten bewaffneten Gruppen und sind deswegen ständig auf der Hut, insbesondere Fremden gegenüber. Rolos freundliche, offene Art überwindet da so manche Schranken, so dass noch die eigentlich verschlossensten Menschen von ihm gerne eine Bibel annehmen. So bestätigt sich seine Berufung als Bibeltransporteur immer wieder.

Gefährliche Kanu-Touren

Die Pastoren in den Dörfern und Gemeinden in den von den Guerillas kontrollierten Gebieten leben gefährlich. Die Guerillas sind skrupellos und haben kein Problem damit, Pastoren zu töten, wenn sie deren Gemeinden als Hindernis für ihre Ziele wahrnehmen. Im Urwald nutzen die Pastoren die Flüsse als Verkehrswege und besuchen ihre Gemeindeglieder mit dem Kanu. Auch Rolo ist dort mit dem Kanu unterwegs, um Bibeln für die Dorfbewohner zu transportieren. Ungefährlich sind diese Reisen nie. Denn ein Mann in einem offenen Kanu ist ein leichtes Angriffsziel für Guerillas, die oft am Ufern lauern.

Flüsse sind wichtige Transportwege – für Bibeln und auch für Menschen.
Die Menschen in den abgelegenen Dörfern sind skeptisch Fremden gegenüber, aber Rolos Art überwindet Schranken.

Eine Ladung Ermutigung

Wenn Rolo mit einer Ladung Bibeln ankommt, ist das auch für die Pastoren in den entlegenen Dörfern eine ganz besondere Ermutigung, denn viele von ihnen leben dort doch sehr einsam. Sie haben keine Möglichkeiten zum Austausch und zur Gemeinschaft mit anderen Kollegen. Wenn dann so eine Ladung Bibeln eintrifft, die sie in ihren Gemeinden verteilen können, ermutigt sie das sehr.

So eine Bibelverteilaktion muss genau geplant werden: Eine Gemeinde am Rand einer der „roten Zonen“ wird dann beispielsweise als Treffpunkt  festgelegt. Zusammen mit der kolumbianischen Bibelgesellschaft, einem Versanddienst und den Pastoren, die im Umkreis von bis zu sechs Motorradstunden von dieser Gemeinde wohnen, werden dann alle Details koordiniert. Die Pastoren reisen unter großen Risiken an.  Aber sie freuen sich auch darauf, andere Brüder zu treffen. Wenn dann die Lkws mit den Bibeln kommen, werden diese entsprechend der Gemeindegröße unter den Pastoren aufgeteilt. Anschließend geht es wieder nach Hause. Und wenn die Straßen in der Regenzeit fast unpassierbar sind, kann eine eigentlich sechsstündige Fahrt auch schon mal zwei Tage dauern.

Ein großer Schatz

Während es noch vor einigen Jahren so aussah, als würden sich die Guerillagruppen auflösen, so nehmen die Aktivitäten der Guerillas und paramilitärischen Gruppen jetzt wieder zu: Kirchen werden von ihnen geschlossen, Gemeindemitglieder bedroht und Pastoren ermordet. Christen können sich nur mit äußerster Vorsicht treffen und müssen doch damit rechnen, dass sie beobachtet werden.

Jede Reise, die Rolo unternimmt, um Bibeln zu verteilen, ist mit großen Gefahren verbunden. Dennoch macht ihm sein Dienst große Freude, denn er weiß, dass er einen großen Schatz verteilen darf, und er weiß, dass Gott ihn zu diesem Dienst berufen hat. Für Rolo ist es ein Vorrecht, Gottes Wort an Menschen verteilen zu dürfen, die nach der Wahrheit, nach Trost, Weisheit und Licht dürsten.

Die Pastoren in den schwierigen Gegenden freuen sich über die Gelegenheit, sich mit den Kollegen zu treffen.

Bitte beten Sie

für Rolo, seine Reisen und für die Menschen, denen er begegnet. Beten Sie mit dafür, dass Christen aufgerichtet und ermutigt werden und dass auch die Guerillas zu Jesus finden.

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