Äthiopien

Regierung will christliche Aktivitäten auf Kirchengebäude beschränken

Der Staat Tigray im Norden Äthiopiens denkt darüber nach, ein neues Gesetz zu verabschieden, das christliche Aktivitäten nur innerhalb offizieller Kirchengrundstücke zulassen würde. Dies würde zugleich bedeuten, dass alle Aktivitäten kleinerer Gemeinden ohne eigenes Gebäude oder Hausgemeinden als illegal gelten würden.

Falls das Gesetz verabschiedet wird, wären hauptsächlich Christen außerhalb der Äthiopischen Orthodoxen Kirche betroffen. Der Grund: jede Gemeinde, die ihr eigenes Grundstück besitzen will, muss beweisen können, dass sie mindestens 6.000 Mitglieder hat. Diese Zahlt übersteigt bei weitem die Zahl aller nicht-orthodoxen Christen im Staat Tigray.

Das Gesetz sieht auch vor, Evangelisation außerhalb von Kirchengrundstücken zu verbieten

Örtliche Kirchenleiter haben der Regierung im Saat Tigray gegenüber ihre Bedenken geäußert, bis jetzt jedoch noch keine Antwort bekommen.

Ein ähnliches Gesetz wurde bereits im Nachbar-Staat Amhara ratifiziert. In diesen beiden Staaten lebt die größte Anzahl ehtiopisch-orthodoxer Christen, und Kirchenleiter vor Ort befürchten, dass andere Staaten ähnliche Gesetze erlassen werden.

Die evangelische Bevölkerung wächst am meisten

Über das letzte Jahrzehnt hinweg hat sich Äthiopiens religiöse Landkarte sehr verändert. Manche behaupten, Äthiopien sei das erst Land der Welt gewesen, das das Christentum angenommen hat. Jahrhundertelang bestand Äthiopien aus einem orthodox-christlichen Kern, einer Zone des Sunni-Islams im Osten und einem animistischen Glauben bzw. Stammesreligionen im Süden und im Westen. In den letzten zehn Jahren haben die Stammesreligionen abgenommen und viele nahmen den protestantischen Glauben an. Diese ist auch die am meisten wachsende religiöse Gruppe in Äthiopien. Der Theologe Allan Anderson schrieb bereits 2014, dass Äthiopien das Land mit einer der am schnellsten wachsenden evangelikalen Kirche sei.

Es sind sogar einige Mitglieder der orthodoxen Kirche zum evangelischen Glauben übergetreten, was zu Spannungen zwischen den beiden Gruppen geführt hat.

Während die immer mehr kontrollierende Regierung Äthiopiens religiöse Gruppen weiter einschränkt, werden Christen von ihren eigenen Familien oder Dorfgemeinschaften ebenso immer öfters ausgegrenzt. Auch das Justizsystem arbeitet gegen Christen: so wurden z.B. wurden im Mai 2014 drei unschuldige Christen angeklagt, ein orthodoxes Kirchengebäude in Brand gesteckt zu haben. Im Februar 2017 wurden sie nun freigelassen, mussten jedoch Schadensersatz in Höhe von über 40.000 US-Dollar bezahlen.

Quelle: WorldWatch Monitor

 

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