In den 80er Jahren waren die meisten Kirchen in Algerien Überbleibsel der französischen Kolonialherrschaft von 1830-1962 und standen leer. Diejenigen, die noch zur Kirche gingen, waren hauptsächlich ausländische Christen. Ihnen war es zwar laut Gesetz erlaubt, ihre Religion ausüben; der überwältigenden Mehrheit von muslimischen Einwohnern durften sie jedoch nichts von Jesus Christus erzählen. Aus der Region, die ehemals Heimat von Augustinus von Hippo, einem der bedeutendsten christlichen Gelehrten, gewesen war, war ein Landstrich „ohne Gute Nachricht“ geworden. Algerier zu sein bedeutete gleichzeitig, Moslem zu sein.
Die Begegnung
1983 allerdings stießen junge Algerier in der Region von Tizi Ouzou auf Touristen, die gerade versuchten, ihr Zelt aufzubauen.
„Es war ein sehr windiger Ort und sie hatten das Zelt völlig falsch aufgestellt. Der Wind blies es einfach immer wieder, zusammen mit ihren restlichen Sachen, um“, erzählt Hassan*. „Wir haben sie ausgelacht und sind dann zu ihnen gegangen, um ihnen zu helfen.“
Die Einladung
Hassan und seine 12 Freunde begannen, sich mit den Fremden zu unterhalten und ehe sie sich versahen, forderten die Besucher sie zu einem Fußballspiel heraus. Darauf entgegneten die jungen Algerier, dass ihr bester Mann nicht spielen könne. Er lag mit Fieber im Bett.
„Sie meinten zu uns: ‚Können wir ihn besuchen? Wir würden gern für ihn beten! ‘“ so Hassan. „Davon hatten wir noch nie etwas gehört. Aber dann dachten wir uns: ‚Warum nicht? Schaden kann es nicht. ‘“
Das Gebet
Also beteten in dieser Nacht die Touristen für den Freund von Hassan – und er wurde geheilt. Am kommenden Tag spielte er beim Fußballspiel mit. Anschließend bestürmten die jungen Algerier die Fremden mit Fragen.
„Wir wollten wissen, was für ein Vater das ist, der auf der Stelle gesund machen konnte“, erklärt Hassan. Schließlich berichteten die Touristen von der Gnade und Errettung, die im Glauben an Jesus Christus zu finden sind. Dann reisten sie fort.
Die Wahrheit
„Ich wusste in meinem Herzen, dass sie uns nicht einfach eine Geschichte, sondern die Wahrheit erzählt hatten. Ich wollte nur noch alles stehen und liegen lassen und Jesus Christus folgen.“ Schnell fügt Hassan hinzu, dass die Touristen keine Missionare waren. Er beschreibt ihre Begegnung als ein Wunder.
Heute weiß man, dass sich als Folge dieses „Fußballspiels“ das Evangelium in Algerien ausbreitete. „Wir können die Anzahl derer, die mittlerweile zum Glauben gekommen sind, schon gar nicht mehr zählen – so viele Gespräche, so viele Wunder fanden statt“, berichtet Hassan. „Wir wissen gar nicht, wie das passiert ist, die Menschen sind einfach Christen geworden.“
Die Verfolgung
In einem Land, in dem es keine christlichen Buchläden, keine algerische Kirchen und praktisch keinen Zugang zur Bibel gab, erschuf Gott aus dem Nichts eine Gemeinde. Das Christentum verbreitete sich rasch aus, blühte auf und wurde zu der am schnellsten wachsenden Religion in Algerien. Doch da entschied die Regierung, von muslimischen Fundamentalisten unter Druck gesetzt, dass die weitere Verbreitung des Christentums im Land gestoppt werden müsse. Hassan und seine Freunde wurden viele Male ins Gefängnis gesteckt.
Das "06-03-Gesetz"
2006 verschärfte das algerische Parlament die Einschränkungen für nicht-muslimische Organisationen im Land. Sie verabschiedete das sogenannte „06-03-Gesetz“. Dieses Gesetz sieht vor, dass in christlichen Kirchen oder Gebäuden lediglich mit Erlaubnis der Regierung Gottesdienste abgehalten werden dürfen. Nicht-muslimische Literatur darf nur noch eingeschränkt produziert und verbreitet werden. Jeder, der Muslime dazu „verführt“ zu einer anderen Religion zu konvertieren oder Literatur sowie Filme produziert, die „den muslimischen Glauben erschüttern“, wird bestraft. Gesetzesbrecher müssen mit fünf Jahren Haft und einer Geldbuße von ca. 10.000 € rechnen.
Im Februar 2008 wurden von den Behörden 26 Kirchengebäude und Gemeinden in der Kabylei geschlossen, weil sie nicht offiziell registriert waren. Obwohl seitdem keine weiteren Kirchen mehr geschlossen worden sind, hat keine christliche Gemeinde mehr eine Registrierung bekommen – trotz vieler Bemühungen um diese Erlaubnis. (VOM Canada)
* Namen aus Sicherheitsgründen verändert


