Es ist Sonntag. Wie üblich macht sich Hanna* auf den Weg in die Gemeinde, die sie und ihr Mann als Pastor leiten. Sie freut sich auf den Gottesdienst. Als sie in den Bus steigt, bemerkt sie die fünf Frauen zuerst gar nicht, die sich, nach muslimischer Tradition gekleidet, mit ihr im Bus befinden. Plötzlich jedoch umringen sie Hanna, bedrohen sie mit einem Messer und zwingen sie, auszusteigen. Sie verbinden Hannas Augen, nehmen ihre Tasche und fesseln sie an den Händen. Derart außer Gefecht gesetzt, verfrachten die fünf Frauen sie in ein Auto. Die Fahrt dauert lange. Hanna kann nichts sehen – doch anhand der Stimmen bemerkt sie, dass auch Männer mit im Auto sitzen. Nach einer Weile halten sie an. Hanna wird durch einen Hauseingang geschubst. Sie spürt die Feuchtigkeit, die in diesem Gebäude herrscht; ihre Nase nimmt einen stinkenden Geruch wahr. Jemand nimmt ihr die Augenbinde ab– und ihr Blick fällt auf Seile und Holzknüppel. An den Wänden hängen Fotos von Pastoren. Offenbar planen ihre Entführer, diese christlichen Männer umzubringen. Große Angst befällt ihr Herz, voller Panik schreit sie innerlich zu Gott. Auf Befehl eines der Männer werden ihr wieder die Augen verbunden. Sie hört, wie andere rufen: “Tötet sie!“
In diesem Augenblick fällt ihr ein Lied ein, zaghaft singt sie es in ihrem Herzen: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“. Sie erinnert sich an Stefanus, den neutestamentlichen Märtyrer. Und plötzlich bekommt sie Mut, spürt, wie ihr Herz sich mit Frieden füllt. Ihre Entführer umringen sie, stellen ihr Fragen. Die meisten beantwortet sie nicht. Sie schlagen sie; erst auf die linke, dann auf die rechte Wange. Doch den Schmerz fühlt sie nicht. Die Männer werden wütend. “Was, wenn wir dich umbringen?!” rufen sie. “Bitte, dann tötet mich doch!!” antwortet sie, “Ich habe keine Angst. Aber ihr sollt wissen, dass wenn ihr mich jetzt umbringt, Jesus mich zu sich nehmen wird - euch aber erwartet Finsternis und die Hölle!“
„Tut ihr nichts an!“ hört sie auf einmal einen ihrer Entführer sagen, „als sie das Wort ‚Jesus‘ gesagt hat, habe ich plötzlich Angst bekommen…“. Die Entführer einigen sich, ein Papier zu verfassen, das Hanna unterschreiben soll. Darauf verbieten sie Hanna und ihrer Gemeinde für Muslime zu beten. Außerdem sollen sie aufhören, Muslimen von Jesus zu erzählen und sie so zum Christentum zu bekehren. Gottesdienste sollen sie ebenfalls nicht mehr abhalten.
“Ich bekehre keine Muslime, ich helfe ihnen nur, bessere Menschen zu werden“, beharrt Hanna. Sie hört jemanden sagen: “Lasst sie gehen. Aus der bekommen wir eh nichts mehr heraus.“ Wenig später ist sie wieder frei.
Hannas Gemeinde wendet sich wenig später an die HMK. Sie brauchen einen neuen Raum, wo sie sich unbehelligt treffen können. Sie wollen sich nicht einschüchtern lassen, sondern weiter Gottesdienste feiern und ihren muslimischen Nachbarn die gute Nachricht von Jesus Christus bringen. Das stetige Wachstum ihrer Gemeinde, die zu einem großen Teil aus ehemaligen Muslimen besteht, gibt ihnen Recht.
Seit einigen Monaten treffen sich die Gemeindemitglieder nun in neuen Räumlichkeiten, in denen sie sich sicher fühlen. Die HMK hat die Miete dafür übernommen. Herzlich bedanken wollen wir uns bei allen, die diese Hilfe möglich gemacht haben. Und wir wollen um Gebet für die Christen in Indonesien bitten – einem Land, in dem die meisten Muslime leben: Sie machen ca. 80% der Bevölkerung aus. Beten wir, dass Gott ihre Herzen beschützt und ihren Glauben bewahrt. Beten wir besonders für Hanna und ihren Mann: Möge Gott sie segnen und immer spürbar bei ihnen sein.
*Name aus Sicherheitsgründen geändert

