Familie Schahwan - Palästina

„Wir haben Gottes Frieden gespürt“

Abendbrotzeit: Die Mutter hat schon das Teewasser aufgesetzt; nach und nach trudeln die Kinder in der Küche ein. Gerade wollen sie mit dem Essen beginnen, da krachen die ersten Schüsse. Reflexartig geht der Vater in die Hocke, ruft seinen Kindern zu, sie sollen sich ebenfalls ducken. Vorsichtig schleichen sie in den angrenzenden Flur, der keine Fenster zur Straße hat: Schon oft ist es passiert, dass Querschläger der Armee ihr Ziel verfehlt und Zivilisten getroffen haben. Angespannt kauert die Familie auf dem Boden und wartet darauf, dass das Pfeifen der Schüsse aufhört. Da fällt der Mutter siedend heiß ein, dass sie vergessen hat, den Gasherd auszustellen. Auf allen Vieren krabbelt sie zurück in die Küche, tastet nach dem Schalter über ihrem Kopf und versucht, ihn umzudrehen… im Ohr noch immer den Satz ihrer zwölfjährigen Tochter, die beim letzten Bombenangriff ängstlich auf dem Boden saß und flehentlich flüsterte: „Ich will, dass Jesus wiederkommt!“

Was wie eine Szene aus dem zweiten Weltkrieg anmutet, hat Familie Shahwan während der ersten Intifada in den 1990er Jahren in einem Vorort von Bethlehem erlebt. Vor acht Jahren waren sie aus Deutschland hierher gekommen, waren dem Ruf Gottes gefolgt und hatten in Beit Jala eine kleine christliche Teestube eröffnet. Doch was bewog sie, auch während dieser kriegsähnlichen Zustände im Land zu bleiben? „Viele Missionare sind in der Zeit gegangen“ erinnert sich Marlene Shahwan. „Doch du kannst den Menschen nicht sagen, dass Gott immer bei ihnen ist und sie liebt – aber selbst verschwinden, wenn‘s brenzlig wird.“ Ihre Kinder gingen hier zur Schule, als Familie hatten sie Bekanntschaften geschlossen und Freunde gefunden. Und so sind sie geblieben. Haben mitten im Bombenhagel ausgeharrt. Aus Liebe zu den Menschen.

Bethlehem

Johnny Shahwan erklärt: „Es gibt in Bethlehem und Umgebung fast keine Christen mehr. An der Geburtsstätte Jesu, wo vor langer Zeit einmal das Christentum dominierte, herrscht nun der Islam. Viele Christen sind wegen des Konflikts im Nahen Osten ausgewandert; müde, zwischen den Fronten zerrieben zu werden. Die wenigen, die noch bleiben, fühlen sich oft allein und wünschen sich Unterstützung.“

Und er erzählt das Unfassbare: Dass Muslime sich dem Christentum zuwenden, Jesus vielen von ihnen in Träumen begegnet sei. „Diese Menschen stehen dann ganz frisch im Glauben. Wie kleine Kinder brauchen sie geistliche Nahrung und Fürsorge, damit sie innerlich wachsen und fest werden.“ Und das, so führt der Familienvater aus, sei umso wichtiger, als den neu Bekehrten oft ein rauer Wind entgegenschlägt: „Für die Familien bedeutet es einen großen Verlust an Ehre, wenn eines ihrer Mitglieder Christ wird. Oft wird derjenige dann verstoßen, manchmal sogar mit dem Tode bedroht.“ Shahwans wollen den ehemaligen Muslimen zur Seite stehen und ihnen Mut machen. In einer Art Jüngerschaftsschulung rüsten sie jungen Christen aus, helfen ihnen, das Wort Gottes zu verstehen und auf ihr Leben anzuwenden.

Christsein lernen

„Die meisten unserer neuen Freunde bleiben erst mal heimlich Christen und leben nach außen ihr Leben wie bisher. Das ist für sie sicherer“, so Johnny. Man spürt, wie sehr er mit seinen Brüdern und Schwestern im Glauben mitfühlt, mitleidet. Aber rechtfertigt dieses Mitgefühl, seine Familie, das Leben seiner Kinder aufs Spiel zu setzen? Darauf hat das Ehepaar keine leichtfertige Antwort. Marlene schweigt, sucht nach Worten. Vorsichtig beginnt sie: “Wir lebten ja schon seit Jahren dort; von Anfang an wussten wir, dass das der Platz ist, den Gott uns zugewiesen hat.“ Und nach einer weiteren Pause fügt sie hinzu: „Das mag vielleicht sehr fromm klingen. Aber wir haben immer wieder Gottes Frieden in uns gespürt. Und ich war mir sicher: Was auch passiert, es würde zur Ehre Gottes geschehen.“

Bitte beten Sie für die so wertvolle Arbeit der Familie Schahwan. Vielen Dank!

 

 

Marlene und Johnny Shahwan.
Losung für heute
Die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine:
Mittwoch, 22. Februar 2012:
Losungstext:
Fürchte dich nicht, denn du sollst nicht zuschanden werden.
Jesaja 54,4
Lehrtext:
Christus spricht: Wenn man euch abführt und vor Gericht stellt, dann sorgt euch nicht im Voraus, was ihr reden sollt, sondern was euch in jener Stunde eingegeben wird, das redet. Denn nicht ihr seid es, die reden, sondern der heilige Geist.
Markus 13,11

Hilfsaktion Märtyrerkirche e.V. / Tüfinger Straße 3 / 88690 Uhldingen-Mühlhofen

Fon +49 (0) 75 56 - 92 11-0 / Fax +49 (0) 75 56 - 92 11 40 / info@verfolgte-christen.org