Bintang* hat Angst. Angst, seine Familie zu verlieren, Angst, dass er den größten Teil seines Lebens im Gefängnis verbringen muss. Er hat mit dieser Angst zu leben, weil er Christ ist.

- Bintang und seine Familie
In Malaysia existieren viele verschiedene ethnische Gruppierungen, darunter Chinesen, Vietnamesen oder auch Inder. Oft gilt das Land als Vorbild für eine moderate muslimische Gesellschaft, in der religiöse und kulturelle Toleranz herrschen. Doch diese Fassade bröckelt, wenn Malaien zum Christentum konvertieren. Denn der Regierung ist daran gelegen, die muslimisch-malaiische Kultur zu konservieren. Artikel 160 der Verfassung definiert den „ethnischen Malaien“ als einen Bürger, der im Land geboren ist und die malaiischen Bräuche pflegt sowie dem sunnitischen Islam angehört. Diese Menschen werden auch „masuk Melay“ genannt – was soviel bedeutet wie „ein Malaie zu sein heißt Moslem zu sein“. Behörden bedrohen regelmäßig malaysische Christen; sie nehmen sie gefangen, kidnappen sie und stecken sie in „Rehabilitationszentren“, in denen man versucht, sie zur Not mit Gewalt für den Islam zurückzugewinnen. Denn der Islam ist mehr als eine Religion für die Malaien – er ist ihre Identität. Und die Abkehr vom Islam gefährdet für die Regierung ihre nationale Sicherheit.
Womit die Angst beginnt
Bintang bekam zum ersten Mal Angst, als er eine Christin geheiratet hatte und sie ihr erstes Kind bekamen. „Am Tag nach der Geburt unserer Tochter wollten wir das Krankenhaus verlassen, da sprach uns plötzlich ein Arzt an“, berichtet der frisch gebackene Vater. „Er meinte, wir sollen in die Religionsabteilung des Krankenhauses gehen. Meine Frau müsse Muslimin werden. In der Abteilung erklärten sie uns dann, dass wir noch einmal nach islamischen Richtlinien getraut werden müssten, um unsere Tochter mit nach Hause nehmen zu dürfen.“
In Malaysia steht auf dem Personalausweis von Malaien, dass sie Muslime sind. Sie dürfen nur Muslime heiraten und müssen ihre Kinder auf muslimische Schulen schicken. Wenige Menschen würden einen Malaien anstellen, der sich nicht zum Islam bekennt. Sie hätten Angst, von der Polizei aufgegriffen zu werden, weil sie einem illegalen Konvertiten helfen.
Die Flucht
„Ich habe meiner Frau gesagt, sie solle so tun, als wäre sie Muslimin, damit wir die Entlassungspapiere aus dem Krankenhaus bekommen. Als wir die dann in den Händen hielten, sind wir einfach nur noch gerannt. Ich will nicht nach islamischen Richtlinien verheiratet werden. Damit würde ich Christus verleugnen“, erzählt Bintang weiter.
Kurze Zeit, nachdem sie das Krankenhaus verlassen hatten, bekamen sie Anrufe von der Religionsbehörde, der nun klar war, dass Bintang sich zum Christentum bekehrt hatte. Sofort verließen er und seine Familie ihr Zuhause und versteckten sich bei Christen in Kuala Lumpur. Die Vorstellung, was die Regierung ihnen alles antun könnte, macht ihnen große Angst.
Zuflucht im Gebet
Bintang weiß, dass andere Malaien dazu gezwungen worden sind, ihre Familien zu verlassen. Das Gesetz verbietet interreligiöse Ehen. Bei dem Gedanken daran, ins Gefängnis zu kommen oder von seiner kleinen Familie getrennt zu werden, bricht er zusammen: „Ich habe wirklich Angst“, sagt er unter Tränen. „Aber ich bete oft.“
Bitte beten auch Sie für Bintang und seine Familie! Möge Gott sie beschützen und ihren Glauben stärken. Vielen Dank!
*Namen von der Redaktion aus Sicherheitsgründen geändert

